Medizinalcannabis


Der Facharzt und Geschäftsführer von Algea Care, Dr. Julian Wichmann schreibt auf der Homepage von Algea Care: „Es (Cannabis) ist kein Wunder- und kein Allheilmittel, kann aber bei vielen Krankheiten und Symptomen helfen.“

Algea Care ist ein Unternehmen, dass sich auf die fachärztliche Verschreibung von Cannabis spezialisiert hat. Warum zeigt sich ihr Geschäftsführer dennoch so zurückhaltend bei der Bewertung von Cannabis?

Ich kann nur spekulieren, aber die schlüssigste Antwort ist: Weil er ein westlicher Schulmediziner ist, der Standards anerkennen muss, auch dann, wenn sie auf Cannabis als Medizin gar nicht anwendbar sind. Ich denke, er muss so argumentieren, um von seinen Kollegen nicht gemobbt zu werden.

Tatsächlich kann man diese Pauschalaussage, die unisono in sehr vielen Cannabis-Studien getroffen wird, so gar nicht stehen lassen. Vielmehr muss die Frage gestellt werden: „Für wen oder was ist Cannabis ein Wunderheilmittel, und für wen oder was ist es „nur“ ein wirksames Medikament von vielen und für wen ist Cannabis überhaupt nicht geeignet?

Ich selbst kann behaupten, dass Cannabis mein Leben gerettet hat. Vor Cannabis bekam ich sieben unterschiedliche Medikamente verschrieben, deren Nebenwirkungen sich nicht addierten, sondern gegenseitig multiplizierten. Darunter zwei Medikamente (Schmerz- und Schlafmittel) die schwer körperlich und psychisch abhängig machen, weit schlimmer, als dies bei Cannabis der Fall ist.

Die Folge war, dass ich an den Nebenwirkungen mehr gelitten habe, als an den Symptomen der Krankheit selbst. Nach etwa sechs Monaten war ich nicht mehr in der Lage, einen Spielfilm zu folgen. Am Ende des Filmes war mir nicht einmal die Handlung klar. An konzentriertes Arbeiten war überhaupt nicht mehr zu denken, ich war längere Zeit erwerbsunfähig.

Seit über einem Jahr benötige ich nur noch ein einziges Naturheilmittel. Es geht mir gut. Alle anderen sieben Medikamente konnte ich nach und nach absetzen. Ich arbeite wieder Vollzeit in einem fordernden Beruf (IT Manager) und finde sogar die Kraft, am Kampf für die Legalisierung aktiv teil zu nehmen.

Hätte ich mich weiterhin den chemischen Versprechungen der Pharmaindustrie ergeben, hätte ich mir mit Sicherheit früher oder später das Leben genommen.

Wenn ich also gefragt werde, ob Cannabis ein Wunderheilmittel ist, so lautet meine Antwort ganz klar: „Aus meiner Perspektive ist es das!“

Ähnlich argumentiert ein guter Freund von mir. Er ist passionierter Bergsteiger und Bergführer und erkrankte in der Mitte seines Lebens an Asthma. Das Asthma wurde immer schlimmer. Er bekam sogar regelmäßig Kortison, was sein Allgemeinbefinden noch weiter verschlechterte und dazu führte, dass er 20 Kilo zunahm (für einen Bergsteiger eine Katastrophe).

Am Ende konnte er keinen einzigen Treppenabsatz mehr laufen, ohne aus der Puste zu kommen. An Bergsteigen war überhaupt nicht mehr zu denken. Dann lies er sich Cannabis verschreiben, inhalierte die Blüten und nach einigen Wochen ging es ihm wieder so gut, dass er heute wieder kleinere Bergtouren macht.

Frage ich meinen Freund, ob Cannabis ein Wunderheilmittel ist, so lautet seine Antwort eindeutig: Ja, das ist es. Wären diese Geschichten in der Bibel zu lesen, würde man sie als Wunder hinnehmen. Warum tut es die westliche Schulmedizin nicht?

Je mehr medizinische Studien ich als unvoreingenommener Laie lese, desto mehr erkenne ich ein Muster. Die profitgetriebene Schulmedizin sucht stets nach dem einem Mittel für alle. Ein Impfstoff, der möglichst bei allen gleichermaßen wirkt. Ein Antibiotikum, das eine möglichst hohe Bandbreite abdeckt, ein Schmerzmittel, dass bei fast allen Menschen schmerzlindernd wirkt.

Merkt ihr was? Die Medizin versucht, den Patienten zu standardisieren, denn mit Standards kann man mehr Geld verdienen, als mit Individuallösungen. Dummerweise sind Menschen aber individuell und unterschiedlich. Die Studien zu Cannabis, die ich bisher gelesen habe, berücksichtigen den Umstand in kaum einer Weise.

Der psychologische Aspekt bei der Wirksamkeit von Medikamenten ist unumstritten. Der Plazebo-Effekt beruht unter anderem darauf. Fake-Medikamente mit null Wirkstoffen wirken oft trotzdem, einfach weil Patienten daran glauben.

Mit Homöopathie werden Mega-Geschäft gemacht, teilweise zu Lasten der Versichertengemeinschaft, obwohl keine einzige Studie die Wirksamkeit von Homöopathie bestätigt. Umgekehrt muss das aber eigentlich genauso so funktionieren:

Hat ein Patient oder Studienteilnehmer ideologische Vorbehalte gegenüber Cannabis, weil er – über Jahrzehnte von der Politik gehirngewaschen – der Überzeugung ist, Cannabis wäre die Einstiegsdroge für Heroin oder was ganz Schlimmes, so wird das THC im Cannabis sein Übriges tun und ihm einen gehörigen Horrortrip bescheren (THC-Paranoia). Das dieser Patient Cannabis dann anders bewertet, als jemand, der offen gegenüber Cannabis steht, ist vorauszusehen.

Bei der Auswahl von Studienteilnehmern wird meistens die Grundeinstellung der Probanden nicht berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass die Grundeinstellung des Patienten erhebliche Auswirkungen auf das Ergebnis der Studie hat.

Noch viel gravierender ist der Umstand, dass Cannabis von Medizinern gern mit THC oder CDB gleichgesetzt wird. Das sind lediglich zwei Wirkstoffe von etwa 150 in der Cannabis-Pflanze, von denen die Allermeisten noch gar nicht wissenschaftlich untersucht wurden.

In den Studien werden orale Darreichungsformen (Dronabinol), manchmal sogar künstlich hergestellte Cannabinoide gleichgesetzt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Wirkungen von Cannabis in den verschiedenen Darreichungsformen nicht vergleichbar sind. Dronabinol hat bei mir kaum eine Wirkung, dafür aber Nebenwirkungen und Risiken, die durch Inhalation ausgeschlossen werden.

Zu den Nebenwirkungen der oralen Darreichung zählen beispielsweise die Verschlimmerung eines Reizdarmsyndroms, die bei der Inhalation nicht gegeben ist. Viele Menschen können, so bestätigt mir meine Apothekerin, Cannabinoide schlecht verstoffwechseln.

Die Folge ist ein nicht kalkulierbarer, oft plötzlicher Wirkungseintritt nach ein bis fünf Stunden. Tritt die Wirkung beispielsweise plötzlich bei einer Autofahrt auf, so treten hier vermeidbare Risiken auf. Denn bei der Inhalation tritt die Wirkung eben nur geringfügig zeitverzögert auf und lässt sich deshalb viel besser kalkulieren und damit in den Alltag integrieren.

Wenn ich also so genannte „Cannabis-Studien“ lese, in denen Dronabinol, Sativex oder sogar künstliche Cannabinoide wie Nabilon eingesetzt werden, bin ich von Haus aus skeptisch. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen.

Aber selbst bei Studien, in denen Cannabis in Blütenform inhaliert werden, bin ich inzwischen skeptisch geworden. Die Behandlung mit Cannabis ist eine hoch komplexe Angelegenheit. Unterschiedliche Sorten mit unterschiedlichen Wirkprofilen, Dosierungen und Darreichungsformen müssen individuell erarbeitet und aufeinander abgestimmt werden.

Eben weil die Medizin die meisten Cannabinoide nicht erforscht hat, ist es wichtig, auszuprobieren. Jede Sorte wirkt anders. Weil jede Sorte unterschiedliche Cannabinoide in unterschiedlichen Mengen beeinhaltet und man heute noch nicht so genau weiss, wie die Cannabinoide sich in komplexer Weise gegenseitig beeinflussen.

Es dauert oft mehrere Monate, bis ein Patient unter kompetenter Anleitung eines Facharztes richtig eingestellt ist. Wie soll das unter den Bedingungen eine wissenschaftlichen Studie berücksichtigt werden?

Was ist die Lösung des Dilemmas? Mit einem Wort: Evidenz. Dazu muss man halt mal Patienten zuhören und ihnen auch glauben, wenn sie eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität erfahren. Am Ende entscheidet nicht die Wissenschaft über die Wirksamkeit eines Medikamentes, sondern immer der Patient selbst. Wenn natürlich Ärzte pauschal unterstellen, dass schwer kranke Menschen einfach nur kiffen wollen, fehlt die Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient.

Cannabis ist das am besten langzeiterforschte Medikament der Welt. 5.000 Jahre lang war es – vor seiner Prohibition – das dritthäufigste Medikament überhaupt. Mehr Evidenz kann kein anderes Medikament, mit Ausnahme von Pfefferminz- und Kamillentee, liefern. Die Erkenntnisse aus der praktischen historischen Anwendung werden von der Schulmedizin meist ignoriert.

Aus Sicht des profitorientierten Gesundheitssystems ist Cannabis sicher kein Wundermittel, denn es führt nicht zu „wunderbaren“ Profiten. Cannabis lässt sich nicht patentieren und ist deshalb für die Pharmaindustrie uninteressant. Aus Sicht der Patienten aber kann Cannabis sehr wohl Heilungen bewirken, die an biblische Wunder erinnern. Ich und viele andere Patienten in meinem Netzwerk sind der lebende Beweis.

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